Dreckel: Amerikanerbriefe No. 1 from Georg 1844 Seite 1 - 5 an No. 2 from Georg 1845 6 - 9 an Peter No. 3 von Peter 1849 10 - 13 an Georg No. 4 von Peter 1850 13 - 17 an Georg No. 5 von Peter 1853 17 - 20 an Georg No. 6 von Hans 1849 20 - 21 an Georg No. 7 von Jac.Sutter 1850 28 - 29 an Georg No. 8 von Joh.Sutter 1851 26 - 27 an Georg No. 9 von Chr.Krättli 1854 21 - 23 an Georg No. 10 von Sam.Allemann 1849 23 - 25 an Georg No. 10 von Pet.Allemann 1849 25 an Georg oooooooooooooooooo Seite 1: Reisebrief No. 1 Rotterdam, 4. März 1844 (von Gg. Krättli) Am 26. Feb. langten wir in Wallenstatt an, wo uns Vetter Jörk (Bruder Roth-Petsch) gerade begegnete. Es war bis jetzt der 1.ste Tag, an welchem wir marschierten, aber nicht einmal bis Wallenstatt marschierten wir zu Fuss. Wir holten den Fuhrmann Hans ein, den ich von Chur aus gut kannte, dem wir an der Tardisbrücke unsere Koffer übergaben. Dieser Hans hatte nähmlich ein Fuder Lumpen und er nötigte uns auf seinen Lumpenwagen zu steigen. Es schien uns ein schlechter Vorbote zu sein. Unentgeltlich logirten wir nirgends, als eben biem Sutter und Jörk un auch nirgends besser. Vom 27.ten an kamen immer mehr und mehr neues und fremdes zum Vorschein, so viel unsere Augen erhaschen konnten und mochten, zum müde werden. Denn denket Euch nur die kurze Zeit, in welcher wir eine so ungeheure Strecke reisten. Ich wollte Euch gern diese Strecke mit Stunden bezeichnen, aber das kann ich nicht genau. An diesem Tage war's, wo wir die schönen Häuser in dem alten Zürich mit seiner romantisch schönen Umgebung, den sonst nirgends so fetten Wiesen, schönen Anlagen, ein wahres Paradies (muss ich noch bemerken). Sowie wir weiter oben bei Kaltbrunn und dem schönen Schmerikoner Schulhaus (wenn ich nicht irre bin) es auch gesehen haben. Wenn man keine Karte hat, weiss man bald nicht mehr woran man ist. Das werdet ihr wohl selbst leicht begreiflich machen können und das ist eben auch der Umstand, welcher mein Schreiben unvollständig macht. Denn wir haben vieles gesehen, was uns gewiss mehr interessiert hätte, wenn wir es besser erhannt hätten. Dazu müssten wir zuerst die Karte zur Hand nehmen, aber diese haben wir nicht. Vom 27ten auf den 28.ten fuhren wir auf der Post die ganze Nacht durch bis Basel. In Zürich hatten wir bloss 3/4 Std. verbleiben können und wissen also wenig von den inzwischen befindlichen Ortschaften und Umgebungen. Es regnete heftig bis Seite 2: am Morgen. Doch in Rheinfelden dort war es schön, etwas lauter (tagen) und der Regen hörte auf. Hier sahen wir unsern alten Landsmann Rhein wieder, welcher sich so langsam schlängelnd zwischen den schönen Wiesen und Fruchtfeldern, die aber nicht gar fett sind und den ein bis zwei Stock hohen Felsen, welche ihm eine regelmässige Grenze und Bett gebieten, hindurch zieht. Basel ist gross und hat viel Grosswerthiges, hier ist das schönste Gebäude das wir je sahen und auch das grösste, das Spital. Ein Malanser traf uns zufällig und führte uns eine Zeitlang herum. Auch den Schützenplatz haben wir gesehen, es war noch vieles zu tun um den Platz herum. Wir hatten genug Zeit uns umzusehen, weil wir die Eisenbahn verspätet hatten. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Omnibus bis zur Eisenbahn hinaus welche jetzt im Bau ist. Auf französischem Boden konnten wir lange die Festung Basel sehen, bis alle Sachen untersucht waren. Auf der Schweizer Post hatten wir für 4 Pfund Uebergewicht (84 Pfund) nichts bezahlen müssen. Umhalb drei Uhr fuhren wir ab und 1/2 8 Uhr waren wir in Strassburg, im Wilden Mann wurde man einquartiert. Der Zug hat unendlich viele Male bei jeder Ortschaft still gehalten zum Ein- und Aussteigen. Die meisten Ortschaften hiessen ...heim. Die Bahn geht neben keinen Ort näher als 1/4 - 1/2 Std vorbei. Es begegneten uns dreimal Wagen, die pfeifen neben einander vorbei wie einen Augenblick. Samuel behauptete wir seien länger still gehalten als gefahren, es wird nicht viel fehlen. Also der Dampfwagen ist vorne und so gross wie eine gewöhnliche Post-kutsche und schleppt eine Menge schwerbeladener Wagen nach. Die Untervazer wären nicht imstande mit allem ihrem Vieh so viel nur zu bewegen. Die Bahn wird jetzt auch in die Stadt Strassburg gemacht, die Häuser sind jetzt schon niedergerissen neben der Gasbeleuchtung. Merkwürdig ist der Münsterthurm der Kirche. --- Seite 3: Strassburg ist belebt, hat aber nicht viel extraschöne Häuser, aber schöne Festungswerke, belebt ist sie zwar von Huren und Soldaten. Hier sah ich grosse zweirädrige lastwagen mit bloss einem Pferd bespannt. Nur die Omnibusse und Kutschen haben 4 Räder. Am 29ten halb ein Uhr fuhr uns der Omnibus nach dem Dampfscheff am Rhein. Um 8 Uhr waren wir in Mannheim. Auf der Fahrt hatten wir mit einem Franzosen Bekanntschaft gemacht. Er wusste gut Bescheid und führte uns in den "König von Portugal" wo wir es ganz vergnügt und lustig hatten. Wir hatten eine Strecke von 40 Stunden zurückgelegt (In Mannheim ist es sehr schön, das muss ich schreiben. In der Nacht sind wir dann noch nach Köln gefahren, etwa 50 Stunden entfernt. Logis in Köln bei den 4 Jahreszeiten --- Um 9 Uhr abends am 1. März langten wir dort an. Am 2.ten März morgends 5 Uhr reisten wir weiter. Noch muss ich bemerken dass uns der Franzose bei Singen, wo er als Kellner diente verlassen musste, er hat beim Abschied fast geweint. An zahlreichen Stellen wurde Halt gemacht zum Ein- und Aussteigen, es wurden Karten gelöst und der Conducteur gibt Red un Antwort. Hier trafen wir viele Auswanderer aus allerlei Volk bestehend, ganze Haushaltungen. Auch zwei Zürcherinnen waren dabei, darunter eine Frau mit ihrem ausgezeichnet schönen Töchterlein. Wir waren also Landsleute und sie hatten grosse Freude und schlossen sich uns an. Die Kölner Gesellschaft besitzt 22 Schiffe. Abends 9 Uhr waren wir in Nimwegen, einer hölländischen Stadt oder Nestchen. Alles sprang heraus, jeder wollte eine Feder von der Gans, die Gastwirte wollten Gäste, die Gauner wollten einem den Weg zeigen. Eine Frau war unter den Reisenden, die riss den ganzen Strom in das Haus der Frau Koch, welche sie allen schon auf dem Schiff empfahl. Ich fragte auch einen Kellner des Schiffs, aber auch dieser rieth dafür und ich glaube dass es Spekulation der Frau war, sich Gäste für ihre Seite 4: Interessen anzuwerben. Wenn die Spitzbuberei in den amerikan. Städten grösser ist als in den hölländischen, wenn er keinen Bescheid weiss, muss es sehr miserabel sein und hat man uns in Nimwegen geschnitten? Eine Empfehlung des H. Strohl an einen ordentlichen Gastwirt in Rotterdam der gut und wohlfeil gastiert deutsch spricht, ist jedem Reisenden zu empfehlen. Herr Köfan Gastwirt Stadt Mainz in Rotterdam. 3. März morgends 6 Uhr von nimwegen bis Rotterdam. 2 Uhr in Logis Hier kam uns Salomon Capeller ins Gedächtnis, der schreibt dass in einem amerikan. Seehafen mehr Mastbäume seien als Lärchen in Zamunt oder Vazergebiet, die kleinen Bäume miteingezählt. Hier ist es schön, ihr könnt Euch keinen Begriff machen wie es aussieht. Kriegsschiffe, Dampfboote, Segelschiffe, kleinere und grössere Gebäude aus lauter Ziegeln aufgeführt, eine Reihe Häuser, 2 Reihen Schiffe, wieder eine Reihe Schiffe, wieder eine Reihe Häuser usw. Ich weiss nicht wie viele Kanäle in die Stadt führen, mehrere Stunden weit Aleenbäume, Lustwäldchen, Landgüter,Weiden die von Wassergräben statt Zaun umgeben sind. Solche Güter habe ich in meinem Leben nicht gesehen. Man sieht hier nur Schwarz- und Weissflecken, zum Wunder eine roth- und weissgefleckte. Zwei mit Vieh beladene Schiffe, das eine fuhr nach Anthwerpen das andere begegnete uns, es fuhr über den Rhein durch Preussen hinauf. Die Dampfschiffe fahren fast so geschwind den Rhein hinauf als hinunter. Auch wo es am schnellsten geht in Bingebloch fliesst er etwas rascher als der Quartagiessa. Am 5. März mussen wir Rotterdam verlassen, noch ist Messe da, stellt Euch anders als in Chur Seite 5: vor. Liederliche Leute hat es hier genug, Ich Hätte Euch noch hundert und tausend Neuigkeiten mitzuteilen, die Euch so fremd als curios vorkämen. Jetzt sind wir von Londoner Dampfschiff abgefallen das bis 700 franz.Franken fordern mit aller und jeder Verköstigung und fahren nach Havre auf die Landsgemeind mit dem Dampfpaketboot. herzl. Grüsse v. Georg und Samuel Allemann Unser Schiff ist stark 65 Schritte lang und es werden ungefähr 300 personen dasein. Einem Familienvater rathe ich den Transport führer Hull an. Verköstigt Euch von Zürich ganz und gar mit Betten und Geschirr was einer nothwendig hat um auf dem Shiff kochen zu können, den das muss ein Jeder, der nicht in die Herren-Cajüte geht, welches unsereinem zu theuer kommt. Versieht einer so, so weiss er, was er zu bezahlen hat bit Neujork. Das ist wie ich glaube das Beste und zwar aus vielen unangegebenen Gründen. Gerade jetzt kommt ein Schwab in 3 mal 24 Std. von Strassburg per Post. Morgen fahren wir ab, also den 8ten März. In Havre ist es schön und überall der gerümteste Hafen für Amerikafahrer, auch viele Holländer geben das zu Sam. Allemann. Georg Krättli 26./II in Wallenstadt 27./28. nach Basel 28. 2 1/2 - 7 1/2 Basel - Strassburg 29. 12 1/2 - 8 Strassburg - Manheim Schiff 29. abends Manheim - Köln " 2.III 5M - 9 Abds Köln - Nimwegen " 3/III 6 - 2 Nimwegen - Rotterdam " selbst kochen, 5./III Rotterdam - Havre in eigen Betten 8./III Havre - Neujork schlafen Seite 6: Brief No. 2 Herman 16. Oct. 1845 Theurer Vater Ich habe nun meinen alten Platz (Geberei in Pokelpsi, Staat Neujork) verlassen und habe meinem Freund Allemann mein Vorhaben eröffnet, in die neuen Staaten zu gehen, um mich selbst auf eine oder andere Art selbständig zu machen. Ich verliess ihn gesund und wohl in Neujork den 18. Aug. Er erwartete Briefe in Kurzem. Ich hoffe unsere letzten Briefe werden bei Euch eingetroffen sein. Meine Reise ging von Neujork nach Albany Schenek Dady Urtica, Rochester, Buffalo, den Erie Lake Huron und Michigansee. In Milwauke stieg ich aus und besah das Territorium Wiskonsin theilweise. Auch den Bischof Henni besuchte ich, er nahm mich auf wie ein Schweizer den andern, brüderlich und bewirthete mich gastfreundlich. Ich erzählte ihm von draussen und er mir von Wiskonsin, zeigte mir seine neue Kirche und theile mir einige von seinen Vorhaben mit, er wollte ein Seminar bauen usw. und gab mir den Rath in Milwauke wo er wohnt zu bleiben und ein Geschäft anzufangen. Wenn ich genügend Geld dazu gehabt hätte, so wäre ich geblieben. Zwar ist es ein wenig zu weit nördlich für in einem Land, wo man noch aussuchen kann. Zwar ist es sehr gesund, gutes Wasser und Holz genug, der beste Markt der neuen Staaten. Es wächst was bei Euch und hat beiläufig dasselbe Klima und kommt mit raschen Schritten vorwärts. Ein Riederer ab Guscha hat sich unlängst 24 englische Meilen von Milwauke niedergelassen, und ist auf seinem Besitz sehr zufrieden. Für die verdienende Klasse ist es in den neuen Staaten nicht vorzüglich. Für diese sind die alten Staaten besser. Höhere Löhne und mehr Beschäftigung. Ich verliess nun Milwauke und bereiste den Staat Illinois, diesen schönsten Plaz oder Land das ich je gesehen war in Chikago, Springfield, Peoria, Evansville. Von da reiste ich nach Missouri. St. Louis ist eine grosse Stadt am Missisipi, Seite 7: Missouri und Illinois Fluss. Ich hielt mich da 5 Tage auf, sah die meisten Schweizer solange ich in Amerika bin. - Graubündner, St.Galler, auch den Kupferschmied Lampert von Jenins - traf ich. Er ist gesund und wohnt in Illinois. Er kennt auch den Bruder vom Grass an der Zollbruck, derselbe befindet sich wohl. Ungesund ist es in Illinois, allenthalben Fieber, je südlicher desto schlimmer, so auch in St. Louis. Das Land in Illinois is ganz flach. Tagelang sieht man keinen Stein so gross wie ein Apfel, auch das Holz is rar. doch gibt es auch Plätze wo genug ist. Der Markt ist je näher dem Michigansee desto besser. In Wiskonsin kostet der Bushel Weizen 73-75 ct., in Chikago 70-73 ct. In Peoria und St. Louis 50 ct. Auf dem Dampfschiff nach Herman, 7 Meilen ob St. Louis traf ich Lucas Pilat und Martin Krättli. Sie hatten mir und dem Samuel nachgefragt. In Neujork wo sie von Samuel nichts erfuhren, währenddem ihnen jemand sagte ich hätte Neujork kürzlich verlassen und sei ins Innere gereist. Die Neuigkeiten der alten Heimat haben sie mitgebracht aber keine Briefe und mir nichts, dir nichts hat auch das Phlegma sie überfallen; aus den Augen aus dem Sinn! Aus wir das ufer betraten war Vetter Jöri zu Pferd, der sah uns aussteigen, kannte mich aber nicht bis ich ihn begrüsste. Da schwollen die Herzen welche Blut und kein Wasser durchströmt. Er sah mich nochmals an ob es möglich sein könnte dass wir uns fern von der Heimat unter einem strong Continent wiedersehen, doch es war so. Ich ging sogleich mit ihm in seine neue Posession 9 Mail von Herman entfernt. Ich überraschte meine alten lieben Kirchengenossen, alle sind gesund. Nur Georgs Kleiner ist am linken Fuss ein wenig lahm, doch wir haben noch immer Hoffnung es werde besser. Sonst ist es ein wackerer Junge, fest und stark. Ueber Erwarten habe ich hier Alles angetroffen. Der Vetter hat 160 akre Land und der Hansjöri 80 acre erster Güte. Land Wasser, Quellen, Holz, Steine, alles im Ueberfluss. Das ist ein Platz für Bauern. Seite 8: Die Lage ist sehr gesund, das Clima mild, das Land hügelig, so-dass wir nie erleben, dass das Land alles verkauft werden kann und so dem Farmer zu Nutzniessung und Holzwuchs dienen wird. Nicht etwas dessetwegen dass das Land nicht reich genug ist, sondern weil an solchen Pläzen die schweren Wetter als Grund Land die Erde wegschwemmen würden. Es wird dafür nur das ebene Land ausgesucht und gekauft, schon ist 8 Meilen von Herman das beste Land schon aufgenommen und schnell geht es vorwärts. dafür sollte niemand säumen wer gesund ist hieher zu kommen. Ich wollte ihr wäret alle da. Der Götti Nic. Krättli hatte in einem Briefe angefragt den mir der Vetter zu lesen gab, grüsst ihm mir und sagt ihm, ich lade ihn freundschaftlich ein, ohne Zögern herein zu kommen. Ich kann ihm hier zwar nicht viel helfen. Uebrigens könnt ihr die Briefe an Euch selbst vertheilen und handeln wie ihn das jeder will. Die Vorschriften gelten hier freilich noch nicht viel, allein man muss erwägen dass noch alles sehr neu ist und noch nicht viele Betriebe sind, aber auch dass man in den alten Staaten mit 2-3000 $ nicht so leicht zu Farmen kommen kann, wogegen hier der Akre Kongressland mit 1 1/4 $ bezahlt wird. In ein paar Jahren wird es auch hier anders. Land und Klima ist geeignet alles zu erzeugen, Baumwolle, Wein. Man fängt jetzt an in Ohio Wein zu pflanzen und hier in Herman bilden sich ganze Gesellschaften für solche Unternehmungen. In Herman ist ein solcher Versuch ganz günstig ausgefallen - der Muth dadurch verdoppelt worden und als gewinnreiches Unternehmen allentalben anerkannt worden. Kurz, es hat mir nicht sobald an an einem Ort besser gefallen als hier, obgleich es etwas ----------------------- Am Rande: Wer reisen will vergebe sich bald nach Neujahr, längstens 2 1/2 Monat für die Reise von Havre nach Orleans. Im Sommer ist weniger Gelegenheit als im Januar bis April - Wagner J und Kupferschmeid S befinden sich in Neujork und ihre 2 Briefe hier. Sendet und 4 Sensen und eine Schrötersäge. ----------------------- Seite 9: Fieber gibt. Bei Euch kommt die Auszehrung vor, von der man hier nichts weiss und von andern Krankheiten wenig. Ich habe mir ein Stück Land angeschaut, es wird nächstens ausgemessen durch den County Feldmesser. Es liegt am nämlichen Bach wo H. J. und Vetter Georg angesiedelt sind, ganz in der Nähe. Ich ersuche daher einen meiner Brüder H. Order J. zu mir zu kommen u und sich hier auch in meiner Nähe niederzulassen, ich glaube sie würden es nie bereuen. Das Land ist zwar wohlfeil, aber sich einzurichten kostet Geld, die Geräthschaften sind theurer als bei Euch oder in Neujork, besonders Kupfergeschirr. Man bedient sich dafür mehr der Eisenwaren. Jeder Einwanderer braucht das was er mitbringt nicht zu kaufen. Bis ans Meer könnt ihr ja in der Heimat erfahren, was die Fracht kostet, wenn ihr mit dem Küfli akkordiert, was für uns Unwissende wohl das Ratsamste wäre. Ueber Havre nach Neujork oder Neu Orleans und dan bis Herman. Kochen müsst ihr von Havre bis hier selbst auf eurem Kochgeschirr und -stellen. Dieses ist die billigste u und einfachste Reise. Schickt mir so geschwind als möglich Geld, so viel als ihr könnt. Gebt es einem richtigen Handlungshaus zur Vermittlung nach St. Louis nebst Wechsel. Dort kann ich es in Empfang nehmen. Zögert nicht es würde einen Nachteil bringen. Denn hier werden 10% Zins berechnet. Ich würde den Bruder Peter einladen herin zu kommen, allein in seiner Lage und Umständen kann er es in Vaz auch machen, aber meinen andern Brüder rathe ich herein zu kommen, wenigstens zuerst einer ohne Verzug. O hätte ich die Mittel in Händen gehabt, ich würde alle 2 Jahre mein Geld verdoppelt haben. Allein kleine Schiffe müssen am Ufer bleiben. -- Ich bin gesund und mit Freuden vernehm ich, dass ihr es alle auch seid. Grüsst auch alle, Vater, Brüder, Schwester, Schwägerin, Zinsli und seine Frau und dem Samuel seine Leute. Verwandte, Freunde und was lieb und theuer ist zu Berg und Thal besonders den Sutter. Euer Georg Krättli Ueber See kostet es den H. J. (Hans + Jakob) und Vetter nichts und von Neu Orleans auch nichts ----------------------- Am Rande: Von Vetter Georg und seiner Dorothe herzl. Grüsse an ihre Leute. Sie haben schon 5 Monate kein Schreiben erhalten. ----------------------- Seite 10: Brief No. 3 First Creek, 31. Dez. 1849 Peter an Georg, Vor gut 7 Monaten haben wir deinen Brief (Durch Battaglia geschieben) beantworted, haben da er vielleicht verloren gegangen, so will ich den Inhalt wiederholen: betr. deinem Lande kann ich deinen Antrag nicht annehmen, aber wenn du das Geld welches du hier hast, Kleider und Geräthschaften drauf geben willst, den Gerberwerkzeug nicht gerechnet, so kannst du das Haus und Stall bauen und Küchengarten samt den noch unverkauften Gegenständen, die im Hause sind (den Schmiedwerkzeug nich mitgerechnet) dafür haben. Du kennst die Schwierigkeiten welche bei deinem Lande obwalten, um es theuer verkaufen zu können. Battaglia kam nicht um es anzusehen, die Brief waren alle geöff net die er brachte. Ich möchte dich daher ersuchen, die Briefe auf die Post zu thun. Du forderste ihm 400 $ und ich wenn es mein wäre gäbe es für 200. Ich habe es die ganze Zeit für 400 feilgeboten. Niemand wollte so viel geben, denn es ist zu wenig gemacht. Solltest du obige Bedingungen nicht annehmen, so will ich das Land für dich zum Verkauf ausbieten. Vielleicht gibt es Gelegenheit dazu, du kannst es mit unserem Hause (Hinter-gasse) auch so machen. Ich schrieb auch nach Says ohne Antwort zu erhalten, sowie von Haldenstein, Maienfeld, Chur un Wallenstadt, wohin wir schrieben. Wir werden später diese Leute nicht mehr belästigen. Es interessiert sie doch nichts. Es scheint mir überhaupt dass Gleichgültigkeit in Europa noch grösser ist als hier. Die Neuigkeiten von draussen bringt Jh. Krättli noch am besten. Wir übrigens erhalten, wenn's gut geht alle Jahre ein in Eile gemachter Bericht. Die gemachten Fenz und Buhls auf deinem Land verfaulen, vor dem Feuer haben wir sie einige Male Gerettet und theilweise wieder hergestellt. Es bleibt sich auch gleich. Luzi hat die Hälfte gemacht und ist dann gestorben. Für die andere Hälfte wirst du wohl nichts ausgeben wollen. Nach dem Gesez kann die Witwe 200 $ zum voraus nehmen und das übrige Seite 11: können die Schuldner theilen. Die Urschi macht Gebrauch davon und dann bleibt eben nicht viel. Das Land war nicht geändert und Prurmont wird nicht berücksichtigt. Wir und noch viele andere werden nicht viel kriegen für bares Geld, 26 $ das wir geliehen haben. J. Micheli hat sein Akkord fertig und J. Allemann noch keinen gemacht. Ich verlangte er solle sie bezahlen, das will er nicht, bloss die Buhls machen, das nützt auf deinem Lande nichts. Da Bruder Hans nun anfängt, so könnte er sie machen. Letzten Sommer war eine Zeit des Schreckens, die Cholera wüthete auch hier und wird wohl manchem lange in Erinnerung bleiben. Auf dem Lande weniger schlimm als in den Städten. Der welcher in Herman daran starb war ein Bünder, namens Gartmann von Ilanz Viele wurden wieder kuriert. Dr. Steiger von St. Gallen, welcher sich erst niedergelassen, leistete wesentliche Dienste. Von den Gestorbenen nenne ich Wagner Bracher Wiedersprach. Mitte Juli grassierte sie am meisten. 60 - 70 Personen sind in Herman gestorben, in der Umgebung weniger. Jeder hatte Gegenmittel im Hause. In St. Louis wüthete die Krankheit schrecklich, 10 - 1200 starben eine zeitlang täglich. Viele flohen, auch aus Herman aufs Land. Wir waren den Sommer hindurch gesund. Der kleine Georg ausgenommen, jetzt ist er wieder besser. Jetzt kran der Schwiegervater an seinem Winterübel. Der Sommer war nass, die Ernte gut, der Weizen hatte etwas vom Frost gelitten. Der Wein an den Südseiten war gut. Nord und West hatten Rost. Mit dem Weinbau geht es erfteulich vorwärts. Wir haben fast 3/4 Akre angelegt und können nächstens von 150 Stöcken Trauben ernten. Sutter besitzt einen schönen Weinberg von 1 1/4 Akre, auf nächst 1 Akre zum tragen. Grass legt dieses Jahr an, er hat auf letzten Winter 50 Akre in Fenz genommen hat dieses Jahr schon Wein gemacht. Margreth Philipp hat sich mit Hüttenrauch verheirathet, ihre Schwester Anna hat es schon früher gethan mit Bauer Georg, beide haben es gut. Jac. Philipp hat eine von Maienfeld geheirathet, eine Büsch. Die Brüder Jacob und Michel sind beieinander, sie haben 200 Akre in der grossen Prärie unter Joh. Luzi geändert, 30 Akre in Fenz. Joh. Micheli's Dorothea hat sich mit Georg Gesner verheirathet. Seite 12: Sie sind meist nicht beieinander. Vetter Georg hat letztes Frühjar eine Tochter bekommen, die Sasker bauen eine Kirche. Prediger sind abwechselnd Rauschenbach und Kübing. Jakob Sutter hat sich jetzt ein Haus darauf, nicht weit von J. Sutter. Er baut jetzt ein Haus darauf. Daniel Hug und Martin Krättli sind noch lustig, der Lenz ist noch ein schmaler Mann, aber sein Vorfahr ist auch nicht breit. Der alte Philipp ist seines Urschis Knecht. Die alte Lucasi lebt zufrieden bei ihrem Schinder. Dieser hat sein Land verkauft und 40 Akre geändert und kommt vorwärts. Joh. Krättli hat 30 - 40 Akre klar gemacht. Seine Mädchen schaffen wacker. Zeller von Zizers, ein Spading, Spiess sind Hermann und verdienen mehr Geld, ein gemeiner Arbeiter 75 cts. täglich, ein Maurer 1 1/4 $. Unser Freund Allemann, Schreiner arbeitet bei Sutter. Beide haben 60'000 Backsteine kommen lassen für Häuserbauten. Sie kauften das Land von Teis samt vieh und Geräthe für 500 $ - Weinfässer verkauften sie mit 70 $ Gewinn. Die Theatergesellschaft gibt Vorstellun gen zur Unterstützung polit. Flüchtlinge. man 70 $. Auch sonst wird für sie gesammelt. Die Brücke über den Creek in Herman ist bald fertig, sie kostet über 5000 $. Eine kath. Kirche ist bis ans Dach gebaut, werden alle Steinhaufen in der Nähe umgewühlt und theuer bezahlt. Die Farmer machen sich Steinhäuser Marktpreise: Weizen 60 - 70, Korn 23 - 30, Gerste 80 - 90 cts, Schweinfleisch 2, Rindfleisch 3, Fett 5 cts das Pfund. Wein 2 im Baut. 1 1/4 - 1.75 $ die Gallon, Kühe 10-16, Paar Ochsen 40=60 Wir Liessen letzte Jahr unser Land vermessen, wir haben zusammen 520 Akre. Rindvieh haben wir 38 Stück und 6 Pferde. Die Firstcreeker haben 40 Akre Land gekauft um eine Schule zu bauen. Es werden 2 Lehrer angestellt mit einem Monatslohn von 12 $. Seite 13: Letzthin hörte ich Schwester Lisa sei nicht bei Euch? Ferner hörte ich du hättest gern eine reiche Frau und wärest allerwärts herumgelaufen. Aber sie wollen dich nicht, du seiest zu alt. Grüsse an alle meiner Geschwister von Peter Krättli. Brief No. 4 First Creek bei Herman den 27. Aug 1850 Lieber Bruder Dein Schreiben vom Febr. erhielt ich am 12. Mai samt einem Wechsel für Hans von 404 $ 60 Tage nach Sicht in Neujork zahlbar Am 12. Aug. erhielt ich das Geld. Hans ist den 30. April nach California abgereist in Gesellschaft von Michel Philipp und einem Zürcher. Sie hatten den Plan über Panama zu reisen aufgegeben, weil zu theuer. Sie kauften sich dafür einen Wagen und 3 Paar Ochsen und machen die Reise über die Prärie. S. Allemann macht sie in Compagnie mit Martens, welche Pferdefuhrwerk haben. Ferner sind aus unserer Gegend Georg Hüfner, Bauer und Haag, Heck, Gübler und Wieland mit Ochsen. Gabr. Straub, die Comp. Kol mit Pferden, Krauter jun. und und Comp. mit Ochsen nach California gereist. Aus allen Theilen der Union reisen Leute über die Ebene (Prärie) - Die Neujorker Staatszeitung berichtet es wären bei Fort Larami bis 1 Juli 40'000 mit 8'900 Wagen vorbeigezogen und noch viele warnen zurüch. Ich glaube dass über panama noch viel mehr reisen. Wenn es gut geht, erfordert die Reise über die Prärie mit Wagen 4 Monate. Nach Zeitungsberichten soll in Californien ein ungeheures Durcheinander herrschen, aus allen Nationen er Erde. --Nord und Totschlag sei an der Tagesordnung. Einer schreibt Leben und Eigenthum sei nicht gesichert, ein anderer es sei ein unerschöpfliches Goldland, man finde es auf den Berggipfeln wie im Thal und in den Flüssen. 4 $ täglich könne ein Mann erwerben wenn er nur gewöhnlichen Strassendreck wäscht. Doch meint er, jeder werde den Tag bereuen wo die Reise begann. Der Steamer Georgia brachte letzthin 1.5 Millionen Gold von California, das Schiff Cheroka 2,5 Mill. Goldstaub. Seite 14: Der Dampfer California 1.3 Millionen und 180 Reisende. Alle dies Schiffe landeten in Neujork. Bruder Hans hat mir noch am 12. Mai von Indegence geschrieben, bis jetzt sei es gut gegangen. Sie werden am 13ten die Reise in die Prärie antreten, versehen mit den notwendigen Lebensmitteln. Bis von California werde ich keine Nachrichten mehr erhalten. Er gab mir die Vollmacht über seine Sachen und Gelder zu verfügen, glaubte aber du würdest nichts für ihn thun. Das Geld welches du hier hast stand immer zu seiner Verfügung. Aber er meinte wenn er nicht von draussen etwas bekomme, wo wäre er in seinen Sachen gehemmt und wolle lieber gar nichts anfangen. Daher entschloss er sich nach California zu gehen. Er wollte die 50 $ welche er auf sein Land bezahlt hatte im Stiche lassen. Ich erklärte ihm das Land zu bezahlen, wenn das Geld von draussen komme. Er wird sich nun freuen, dass du ihn nicht im Stiche gelassen. Wenn es dir möglich ist im Spätjahr noch etwas zu senden so unterlasse es nicht. Ich kann ihn dann im Fall es ihm drüben nicht glücken sollte von hier aus helfen. Wir wollen zwar hoffen es werde nicht notwendig, er werde auch einer der Glücklichen sein, und dass er in einem Jahr mit Gold beladen wieder in Missouri eintreffe. Ich glaube wenn du damals das Glück gehabt hättest mit Sutter nach California zu gehen, jetzt Millionär wärest. Damals wärest du gerade zum vollen Topf gekommen. Seither hat man 36 $ Millionen daraus geschöpft und etwa die Hälfte nach den Vereinigten Staaten gebracht. Der Congress hat schon 7 Monat berathen ob man California und Neu Mexico als Staaten aufnehmen solle. Beide haben das Gesuch gestellt und sich verpflichtet die Sklaverei nicht einzuführen. Der Süden will sie einführen, weil er zur Eroberung so viel beigetragen als der Norden. Er könnte dann mit seinem Eigentum (der Sklaven) nicht dorthin ziehen. Deshalb verweigert er Seite 15: die Aufnahme, wodurch diese Gebiete sehr an Gesetzen und Ordnung leiden. Letzthin hiess es, California wolle sich unabhängig und frei erklären, wenn man im Congress nich einig wäre. Jedem Mitbürger würde eine monatliche Taxe von 20 $ auferlegt, wenn er Gold graben will. Dagegen lehnt man sich aur, weil es viele Fremde hat, es könnte leicht Zusammenstösse geben. Es soll eine Bahn durch die Prärie nach dem stillen Meere gebaut werden, sie wird wohl durch unser County gehen. Die deutschen Kandidaten Beimer und Bassal sind bei der letzten Wahl als Countyrichter durchgefallen, es wurden eng. gewählt. Als Senatoren und Rapresentanten wurden diesmal Whigs gewählt. Präsident Taylor ist plötzlich gestorben und Filmore von Neujork Präsident geworden. Minnesota ist als neuer Staat aufgenommen worden. Bald wird der Zug dahin gehen, denn Jowa und Wiskonsin sind abgedroschen. Es will vielen dort nicht gefallen. Der Winter wäre zu lang und zu kalt, der Sommer zu kurz und zu heiss, besonders in Wiskonsin. Das Korn erfroren jedes Spätjahr - Der Hirza Dolf (von Igis) soll in Milwauke sein, es gefalle ihm aber schlecht. Auch Plaisch sei dort, er habe viele Weinreben mitgebracht. In Wiskonsin wird es mit dem Weinbau nicht gelingen. Dieses Jahr wird die Traube kaum in Missouri reifen. Die Beeren fangen erst an zu schecken sonst waren sie um diese Zeit fast reif. Wir hatten einen sehr heissen Sommer. 100 Fahrenheit ist man gewohnt. Von Anfang Aug. bis jetzt war es immer heiss, Tag und Nacht, man schwitzte im Schatten mit Nichtsthum. Jetzt had sich die Hitze gelegt, die Nächte sind kühl. Es wird dein gutes Weinjahr geben, die Fäkela und der Honigthau haben viel geschadet, das Laub fällt schon ab. Unsere lote Anlage wird etwas bringen, wir hatten 800 Stöcke gepflanzt. Die Aepfel und Pfisrsichbäume brechen fast unter der Last der Früchte, die Pfirsiche werden aber kaum reifen. Das Frühjar war halt sehr spät. Infolge des langen Winters wurde alles theuer, viel Vieh ist umgestanden aus Futtermangel. Korn gilt 50, in der Stadt 60 Cts, der Weizen 1 $ 5 cts. Ochsen und Pferde steigen im Preise sehr stark infolge des Absatzes Seite 16: nach Californien. Sutter verkaufte den Wein (von Hans) für 90 $ Im Spätjahr habe ich eine braune Stute für 30 $ gekauft, im Frühjahr hätte ich jeden Tag 50 bekommen. Bon den Pferden welche ich von Hans hatte besitze ich bloss noch den boal, es ist ein sehr schönes Thier geworden. Die gekaufte ist aber noch schöner, ich würde keines unter 60 $ hergeben. Daneben haben wir noch 2 Wallachen. Dieses Frühjar haben wir verkauft 2 Joch Ochsen zu 55 und 50 $, ein paar Stiere für 24, 4 Kühe a' 12, 2 leichte Pferde für 60 $. 15 bushel Weizen a' 1.05 $ und mehr als 100 Buschel Korn a' 45 - 50 cts, 15 Kartoffeln a' 30 cts, Wir fabrizieren auch Schabzieger zu 20 cts das Pfund (=453 gramm) Käse für 12 1/2 cts, ferner etwas Wolle, Talg und Butter. Wir lassen den Paster auspumpen und abräumen. Georg Gesner ab Seewis hat es für 20 $ übernommen, er hat des J. Micheli's Dorothea geheirathe. Vor 8 Tagen waren ich, Menga und die beiden Kinder an der Hochzeit von Chr. Kässhof, seine nette junge Frau ist aus der Stadt. Die Leute geben sich wacker mit Weinbau ab. Jeder will mindestens einen Akre, andere noch viel mehr haben. Zwei Unterwalliser wollten kürzlich am Gasconade Land kaufen um 50 - 60 Akre Weinberg anzulegen. Die Hermaner erhalten dies Jahr wieder die Weinprämie. Daniel hatte das Glück 100 $ in Gold zu bekommen. Du glaubst Vetter Jörk und der Lenz hangen nicht sehr am Zeitlichen. Das stimmt, faul und gleichgültig, immer kaufen müssen und nichts verkaufen, das bringt herunter. Kein Jahr hat er für seinen Bedarf genügend gepflanzt. Die Cholera hat sich wieder gezeigt aber weit weniger heftig als letzte Jahr. In Herman ist kein Fall vorgekommen --- Sam. Allemann in der Sask war krank und jetzt auf Besserung. Ich hätte ihn besucht, bin aber lahm und kann nicht zu Pferde sitzen, ein Pferd hat mich vom Knie bis zum Fuss bös beschädigt, das geschah beim Pflügen. In 8 Tagen glaube ich wieder arbeitsfähig zu sein. Wir hatten dieses Jahr U'berhaupt viel Unglück. Kaum war der Schwiegervaten von harter, langer krankheit genesen sprang am 2. Mai ein schwerer Ochse über die kleine Menga und brach ihr den linken Schenkel und kleinere Quetschungen. Seite 17: Drei Wochen später kam die Menga ins Kindbett, es folgte eine eine Todtgeburt. Sie war nachher recht schlecht daran, der Dr. stellte die jedoch bald wieder her. Den Tod des Kindes schrieben Dr. und Hebamme (v. Thusis) dem Schrecken zu beim Beinbruch des Kindes. Jetzt sind wir alle gesund. Die Einwanderung hat abgenommen. Die Abschlachtung (Krieg) wird daran Schuld sein. Mittellose polit. Flüchtlinge kommen hier viele an. Sie werden unterstützt. Hektor (Bäder's) ist jetzt Farmer bei Beberil (Illinois). Der Festungsbau dient Misazi von Kanan. In Jowa halten sich viele ungar. Flüchtlinge auf und siedeln sich an. Garibaldi kam letzthin nach Neujork. Viele Grüsse an alle v. Eurem Bruder Peter. Brief No. 5 First Creek 24. März 1853 Lieber Bruder, Obgleich ich fast kaum zum schreiben Zeit finde, muss ich doch über unser Befinden berichten. Auch ein Unternehmen berathen wir. Vor einem Jahr hat Joh. Sutter eine Herde Rindvieh nach California getrieben. Letzten Winter kehrte er zurück. Sein Unternehmen glückte. Jetzt reisen wir in Comp. um das Geschäft in vergrössertem Masstab zu betreiben. 300 Stück Rindvieh, 10 Pferde, 4 Wagen mit Lebensmittel, 20 - 24 Mann als Gehülfen bilden den Zug. Das Kostet viel Geld, das Vieh hat jetzt hier einen Preis wie nie zuvor. Kühe bis 20 $, das Paar Ochsen 60, Pferde 100 $, Lebensmittel 10 - 12 cts das Pfund trockenes Schweinefleisch. Wenn wir nicht verunglücken hoffen wir eine Goldernte zu machen ohne zu mineren. Joh. Sutter hat in California (Marysville) über 300 Akre Land gekauft, den Akre zu 10 $. Er kaufte dasselbe vom alten California Sutter, welcher ihn sehr gut aufnahm und während einer Krankheit verpflegte. Auch sein Vieh, Pferde und Wagen hat er ihm zu guten Preisen abgekauft. Er übergab ihm auch die Aufsicht über seine Arbeiter, zahlte dafür einen Monatslohn von 75 $ und bot ihm für längeres Bleiben 120 $. Bei der Abreise fuhr er ihn 8 Mailen weit, gab ihm sein Porträt und 500 $ wenn er in Geldverlegenheit kommen sollte. Aus diesem werdet ihr ersehen, dass Joh. Sutter uns den Weg gebahnt und wenn wir glücklich hinüberkommen, dort nicht fremd sind. -- Sutter brachte auch Nachricht von Bruder Hans Er ist immer in den Minen bei Jacksonville uns soll sehr geizig Seite 18: sein und kein ct. verkaufen ohne höchste Noth, nur um den Goldhaufen, welchen er gesammelt nicht zu verkleinern, er hat mir bloss ein Mal geschrieben. S. Allemann ist noch immer drüben bei einer grossen Comp. in einem grossartigen Unternehmen. Ob es ihm glücken wird? Michel Philipp ist wahrscheinlich todt. Niemand weiss etwas von ihm. Zu unsern Gehülfen gehören G. Krättli, Vetter Sam. Allemann Kupferschmied Mathis Danuser, des Thomali's Sohn, die übringen sind unbekannt. Die beiden Brüder Chr. und Silvest. Krättli nehmen 23 Stück Rindvieh mit und reisen mit uns. Das Pächterleben gefällt ihm nicht mehr, denn die Schwester hat sich mit Oelschläger verheirathet. A. Grass lebt sehr zufrieden mit seiner Kolonie und hat einen tüchtigen Jungen, vielleicht bald zwei. Er wird nichts auf's Spiel setzen und Farmer bleiben. Meine Familie wie Sutter's werden auf unsern Farmen bleiben. Ich habe ein Mann für ein Jahr eingestellt für 100 $. Dein Land habe ich vor 2 Jahren verkauft für 400 $ freilich bloss auf credit. Es ist besser, als bloss liegen lassen. Man baute dann im Haus und bezahlte 6% Zins, der Mann ist unverheirathet, aus Darmstadt, names Willmann er geht auch mit uns nach California. Das Land bleibt als Sicherheit. In Bälde wird eine Bahn über Herman gebaut, von St. Louis aus ans stille Meer. Doch ist bis jetzt noch keine Spekulation im Landkauf vorhanden und man kann gegenwärtig billiger Land kaufen als vor 2-4 Jahren. Der Weinbau hatte einige jahrre Fehlernten, das ist die Hauptursache der Auswanderung nach California. Auch dieses Jahr reisen aus unserer Gegend 50 dorthin. Die Farmerei geht jetzt besser als früher, weil alles schöne Preise gilt. Wenn dann noch die Bahn durchführt wird es noch besser. bis dann sind wir aus California zurück und wenn wir gesund bleiben und kein besonderes Unglück uns trifft werden wir ein beschauliches Leben führen können. Vielleicht auch einmal zum Besuch nach der Schweiz kommen, wenn es bis dann noch eine Schweiz gibt. Pfarrer Morell möget ihr Seite 19: einen freundlichen Gruss ausrichten. Sein Schreiben hat uns sehr gefreut. In betr. seines Bruders wissen wir bloss dass er diesen Winter von California zurück, mit Gold beland. Er soll bei Portland eine bedeutende Farmerei gekauft haben. In unserer Familie sind keine Aenderungen eingetreten als die Vermehrung um ein Mädchen, Elisabeth. --- Margaretha und Georg gehen in die Schule. Jetzt haben beide die Rotsucht. Wir haben im First zwischen Kahr und Klusers ein geräumiges Schulhaus gebaut. Es wird das ganze Jahr Schule gehalten und Deutsch und Englisch unterrichtet. Monatsbesoldung 15 $. Der Schwiegerpapa leidet wieder an seinem Winterübel. Im Spätherbst hatte ich eine Krankheit zu bestehen. Auch die Margaretha welche 3 bezw. 4 Wochen dauerte. Die alte Mutter ist bald besser, bald schlechter auf. Die Menga ist immer recht wohl und ich jetzt auch. Ich hoffe dass dieses Schreiben Euch alle in bester Gesundheit finde. Lasst Euch nicht bethören in eurem Zustande, gesund werdet ihr über mich nehmen, um nicht auf dem Stande zu bleiben wo ich bin und unser Sutter schrecht nicht zurück vor der Gefahr und ich werde ihm folgen. In 14 Tagen werden wir verreisen mit unserer Caravann. Vielleicht kehren wir in einem Jahr, vielleicht in zwei zurück, je nachdem. Auch im alten Vaterland kann das Glück zu Hause sein. Euer Peter Dass ich letztes Jahr eine grosse Reise gemacht, wirst Du erfahren haben. Den 12. April 1852 verliess ich Herman mit einer kleinen Herde Rindvieh. In der Meinung dabei meine Reisekosten zu verdienen. Es glückte sich dass doch über Alles in 10 Monat nicht weniger als 6600 alte bünder Gulden zu gewinnen. Die Reise dauerte 5 Monate bis nach Marysville. Ich reiste auf ganz eigene Art und bin so gut durchgekommen wie Wenige. Auf den 11. Apr. ist nun eine 2te Reise, sowie Peters welcher in Cal. ist bestimmt. Gerne würde ich Dir was über die Reise von und nach Cal. schreiben, aber die Zeit erlaubt es nicht. Denn ich bin erst 3 Wochen hier und habe so viel zu thun, dass ich so wie deine Brüder Tag und Nacht auf den Füssen sein muss. Hoffentlich wird alles belohnt. Mein letztes Schreiben aber bescheinigt über Allemann's Geld wirst du erhalten haben. Schick Seite 20: die Rechnung von Allemann an Grass. Er kann J. Marg. (Allem. Schwägerin) nichts helfen. Sie muss den Rest noch bezahlen. Mein Familie bleibt auch auf der Farm, ich habe sie bedeutend vergrös sert sodass ich mein Leben hier wie jeder Andere auch machen könnte. Nein ich will so viel dass ich und meine Familie ordentlich leben können oder nichts! Grüsse mir meine Eltern am Berg (Mastrils) sowie alle Verwandte, besonders deine Brüder. Bist du noch ledig und deine alte Menga? Sollte es bei dir einmal tüchtig donnern und Gewitter geben, so denk dass ich und Peter den Sommer noch viel stärkeres auszuhalten haben. Fünf Monat werden wir ohne Obdach sein müssen. Vielleicht sind wir bis in Zeit von einem Jahr wieder hier. Wahrscheinlich wird aber in Calif. etwas angefangen. Dann will ich dir von dort aus scheiben. (1853/III) Viele Grüsse von Joh. Sutter. Brief No. 6 Mai 1849 Lieber Georg, Ich habe dir geschrieben, do solltest mir so bald als möglich mein Geld schicken, aber noch keins erhalten auch kein Schreiben. Ich habe von Joh. Amling 120 Akre Land gekauft, es kostet 440 $. 240 besahlte ich baar. 200 bleibe ich schuldig mit 6% Zinsen. In einem Jahr muss ich den Rest bezahlen. Sende mir mein Geld, lasse mich nicht lange warten, ich habe jetzt Schulden und bin es nöthig. Nächstes Frühjar will ich auf mein Land gehen. 8 Akre sind urbar, eine Blockhütte und ein {?} Haus sind auch da. Das Land ist gut, schönes Holz ist auch vorhanden. Es liegt eine gute Meile hinter meinem Land am First Creek. (S.25) Neuigkeiten von hier kannst du im Brief von Peter lesen Bis in 4 Monat erwarte ich Antwort von Dir. Ich bin Gesund. Viele Grüsse an meine Geschwister von Hans Seite 21: In Kürze will ich dir den Unterschied gegen 2-3 Jahre früher darstellen: das Congressland wird jetzt zusammengenommen, für Holz oder Weinbau eignet sich bald alles. Zwischen unserm Land und Bergenkamps sind seither 4 verschiedene Plätze gekauft worden. Angefangen hat bloss ein Veraguth von Thusis, Schmied. In der Bresche Fork haben mehrere angefangen und ist auch vieles aufgekauft. Zwischen John Birding und Kahr ist jetzt Hof, Brüns ist nicht mehr bei Kahr, er hat den Platz swischen Kahr und Grosshock. Zwischen Kahr und Jordan haben nehrere angefangen. Zwischen Jordan und Chennen Ochsner von Zürich. Zwischen Häfner und Chen sitzen jetzt 3 Farmer. Auch ist sonst noch aufgekauft. Die Forster haben auch Gesellschaft bekommen. Hinter Wehrli Schraubs Platz hat ein Tiroler gekauft, ein Kaufmann. Er hat einen Bruder bei ihm welcher Geistlicher ist, dazu Jesuit und Schriftsteller, jetzt sind beide Farmer. Wess's Platz hat Schiffer gekauft, es soll da eine Stadt angelegt werden. Letzten Sommer sind Steamboote den Gasconade hinauf gefahren. Zwischen Mak Meines Platz und der Mündung des First Creek wimmelt's mit neuen. Es wird nicht Congressland gekauft, je näher an Herman desto theurer. Im First Creek ist kein Congressland mehr zu finden, doch hier herum wird sich wohl noch mancher eine Elle aussuchen. Ich habe soben die Stimmes von 50 Akre erworben. Wenn mir keiner dazwischen kommt wüsste ich noch mehr, wo man ziemlich profitieren könnte. Aber das liebe Geld würde dann Alle. Wenn ich noch etwas bekomme so kannst's es mir hersenden. Georg Martin lernt in St. Louis das Küferhandwerk. In Herman gibts kein guter Küfer, welcher ein Fasstürchen machen und einsetzen könnte. Dein Bruder Peter. Brief No. 9 First Creek 9./12. April 1854 (am 5. Mai in Chur) An Gg. Krättli bei Gerber Fischer in Chur. Schon ein Jahr befinde ich mich hier und habe seither bis am 20. März nichts von Euch erfahren. Ihr schreibt mir, dass 2000 fl. durch einen Wechsel an mich gesandt worden seinen. Eine Anzeige habe ich noch nicht erhalten. Dein Wechsel werde ich bei einem Krämer in der Stadt einzulösen suchen, ich kann nicht mehr länger warten. --- Seite 22: Du schreibst dass ihr nicht mehr beieinander seid und du in Chur bist. Es habe dich sehr verdrossen, dass ich dich verkannte daran bist du aber selbst schuld. Denn ehe ich recht zum Auswandern entschlossen war, sagtest du zu den Leuten, ich werde jetzt blindlings in der Welt herumirren wie ein Stück Vieh. Wen habe ich um Rath und That gefragt? Ich glaube du hast andern Leuten mehr geglaubt als was wirklich wahr ist und meine jungen Ideen sind vielleicht so gut wie manche alte. Nicht dass ich mich damit rühmen will, denk aber auch nicht, dass du sie richtig kenntest, das sei nun aber abgethan und vorüber. Auf dein Verlangen habe ich Ant. Grass wegen den trockenen Häuten. Er kennt den Preis selbst nicht, will sich aber erkundigen gefragt und dir schreiben. Ob es geschieht...? Er ist schwer krank gewesen, jetzt ist er wieder aufrecht aber schwach. Durch das strenge Arbeiten hat er seine Gesundheit zerüttet. Peter hat kürzlich aus California geschrieben. Er sei immer gesund gewesen und noch nicht willens dieses Jahr zurückzukehren. Das Vieh sei noch nicht verkauft. Er betreibt mit 2 Zürchern Holzhandel, wobei sie Geld machen werden. Im Frühjahr will er sein Vieh verkaufen. Eine gute Kuh kostet 110 - 120 $ ein Paat gutte Ochsen 190 - 200 $. Der Winter sei sehr streng gewesen. Silvest. Krättli und ......... hütten ihm das Vieh. Vetter Georg sei in einer Sennerei für 60 $ und Kost im Monat. Samuel Kupferschmied und Chr. Krättli sind in den Minen. Bruder Hans ist letzte Spätjahr zurückgekehrt, er ziemlich viel Geld gemacht. In Vaz wird kaum einer in dieser Zeit soviel gemacht haben. Er ist aber hart krank gewesen auf der Reise hieher, wir haben uns nicht wiedererkannt. Seine Gestalt ist so verändert Joh. Sutter ist wieder zurückgekehrt, er habe eine harte Reise mitgemacht. Um Mitte Dezb. fuhren sie mit dem Dampfschiff von San Franzisco ab, in der 2ten Nacht fuhr man mit voller Kraft Seite 23: auf eine Felsklippe aur. Das Schiff began zu sinken. Alles eilte auf was Verdeck, etwa 600 Personen. Sutter Joh. zog seine Kleider aus, band den Schwimmgürtel, um, sich den Wellen anvertrauend. Zum Glück sank das Schiff nur bis an das Verdeck sodass sich alle retten konnten. Auf einer Felsklippe wo kaum Platz zum stehen war, mussten sie sieben Tage zubringen. Zuletzt hatte man nichts mehr zu essen. Jetzt kauft er wieder in Comp. mit 2 Neuen, ich und Hans gehen auch mit. Peter soll uns von drüben für 600 Meilen entgegenkommen und Lebensmittel bringen. Ende Juli werden wir uns treffen. Land und Vieh ist hier merklich theurer. - Des Joh. L. Krättli Margaretha in der Sask hat sich verheirathet. Mit Perler und des Heiden Betti auch vor 14 Tagen mit einem Irländer, welcher kein Wort deutsch kann, sie soll schwanger sein. Die alte Betta ist sehr betrübt und Daniel macht sich für Califor. reisebereit. Die 2t- älteste Tochter der Laube-Gretha wird sich bald verheirathen. Der alte Zinsli ist vor 2 Tagen gestorben, er musste den ganzen Winter das Bett hüten. Jetzt muss ich mich zur Reise vorbereiten, das Pferd satteln und zu Sutter reiten, in der Stadt Briefe abgeben, denn Morgen gilt es schon. Wann ich wieder schreibe weiss ich nicht. Der Base habe ich auch zu schreiben versprochen, aber jetzt ist es mir nicht möglich. -- Grüsse an Joh. Morell u. Flor. Plattner. Lebe wohl. Dein Bruder Christ. Krättli Breif No. 10 Herman, 17. Mai 1849 Lieber Freund Georg, Heute ist Auffahrt, das Schriben fällt mir schwer, aber es handelt sich um Beantwortung deiner so sehnlichst erwarteten Briefe, welche uns Bataglia brachte. Vor 8 Tagen langten auch wir, ich mit Rudolf Schnorf und Vater hier an, um im Kreise unserer Freunde und Verwandten unsern Wohnsitz aufzuschlagen. Herman hat sich seit du weg bist sehr entwickelt, besonders die Umgebung. Das hat mich auch am meisten hergezogen. Letzten Sonntag waren wir in Herman, beide Sutter, A. Grass bei Pöschel, dem 1-ten Weinbauer der Gegend auf Besuch. 12 Bottle der besten Qualität letztjähr. Hermaner Wein wurde vertilgt, unstreitig der beste in meinem Leben. Nach diesem Genuss sangen wir gemein- Seite 24: schlaftlich das bekannte Lied "Wo Kraft und Muth" wofür Pöschel uns noch mit 2 bottle traktierte. Heute haben uns deine beiden Brüder Pet. Und Hans, meine Mutter und Schwager, sowie Jehli mit seinen jügern Töchtern besucht. So gut es in unserer Junggesell-Wirtsch. ging, haben wir ein Mittagessen zubereitet. Wir haben auch schon alle Bekannten im Busch besucht und wurden sehr gastfreundlich aufgenommen. Ich traf auch zu meinem (und gewiss auch deinem) grössten Vergnügen Alles gesund und im besten Wohlstand. Andere Neuigkeiten kann ich dir kaum mitteilen als dass Freund Sutter einen Sohn hat und Christine Grass verheirathet ist mit Conr. Nägeli. Deine Bruder Hans gefällt es hier sehr gut, er wünscht sich nicht mehr nach Europa zurück, das hat er mir heute treuherzig erklärt, er möchte nur seine Geschwister auch hier haben. - Das ist auch mein sehnlichster Wunsch und du würdest es gewiss nich bereuen! Ich ertheile dir jetzt die Vollmacht, meine Geschäfte in Vaz besorgen zu wollen. Verkaufe meine Sachen so bald als möglich und sende mir das Geld. Ich hätte es sehr nötig, denn ich möchte mit Rudolf zusammen ein Backhaus bauen. - 42/32 Fuss mit 2 Stockwerken. Ohne unsere Schreinerarbeit kostet das ca. 2000 $. Die Lot haben wir von Reinhard für 200 $ gekauft. Sie ist am Corner of Markland, Thirst street. Wer nichts wagt gewinnt nichts. Der Weinbau nimmt stark zu. Du würdest dich verwundern, in Hermans Umgebung, wo vor 2 Jahren noch Wildnis und Steinhaufen waren, die schönsten Rebanlagen zu sehen. Pöschel hat letztes Jahr für 2000 $ Wein geerntet und dieses Jahr wenn nichts besonderes eintritt, ein Drittel mehr. Ich habe selbst 250 Trauben an einem 4 jähr. Stock gezählt. Wenn's der Ama Lutz nicht glaubt ist es mir gleich. Gestern habe ich 22 bottle von Pöschels Wein geholt um 18 nach N.Orleans und 2 an 1.st Creek zu senden, für unsern alten Zinsli, erstere an Caspar Strebi (Glarner) Seite 25: Mit diesem werden wir später vielleicht Gescha:fte machen. Von Pöschel bekomme ich auch Credit so viel ich will. Selbst mit Religion würde er mir aushelfen. -- Schulden und Gottes Wort bleibt ewig! -- Ich freue mich das meine Briefe vom letzten Sommer richtig eingegangen, besonders der nach Haldenstein, von wo ich keine Antwort erwarte. Ich hätte gern den spedierten Brief lesen mögen (worin ich ihr gern den Rath gegeben hätten) worin sie dem Lenker des Schicksals die Sache anheim stellen will. Sie sollte lieber ihre Sachen dem anheimstellen, dem sie gehören und den Schicksalslenker bitten, sie nach der neuen Welt zu schicken. Dort würde eine durstige Seele sie aufnehmen. Nach Lauba Gretha's Brief von Ihrer Tochter soll mein liebe Nina sich in Zenzes Arme geworfen haben und seither hat Samuel seine Arme gekreuzt wie Napoleon nach der Schlacht von Leibzig. Freundl. Gruss an dich, deine Geschwister, meine Leute in Haldenstein, besonders Nina und Menga, sowie Schwägerin und andere Bekannte in Vaz. Dein Sam. Allemann Lieber Bruder Dein Schreiben vom 4. Febr. langte am 12. Mai in bösem Zustand, zerfetzt und aufgerissen hier an. Es ist schon besser, wenn du künftig deine Briefe der Post anvertraust. Das ihr euch draussen einrichtet gefällt mir nicht, dass du unsere Briefe so lange nicht beantwortest, ist auch nicht zu entschuldigen. Um einen Brief zu schreiben findet man schon Zeit. Wie nachtheilig das für mich und vielleicht auch für Dich ist, will ich nicht auseinandersetzen. Battaglia hat mich nie besucht und folglich auch dein Land nicht gesehen. Er hat 2 Meilen von Danuser 80 Akre Land gekauft von Jakob Men. Du forderst 400 $ so viel steig das Land an der First Creck nicht. Für Armstand verschlimmert sich die Sache zu verkaufen. Ich habe weder deed noch Credit in Händen und dein Besitztitel weisst du wie er ist. Einen Tauschandel mit dir zu machen auf deine Bedingung hin kann ich nicht. Gib mir das Land und das Geld welches du hier hast, samt deinen Geräthschaften (ohne den Gerberwerkzeug und ohne den Schmiedewerkzeug) Kleider an das Haus und Hof, Stall, Baum- und Küchengarten, Mobiliar. Erwarte bald Antwort. Dein Bruder Peter. Brief No. 8 Seite 26: Herman, 10. Aug. 1851 Lieber Georg. In deinem Schreiben an Peter, das er am 27ten Juli erhalten, sagst du dass mein Brief von letzten Winter nicht erhalten hast. Ich habe dir im Namen von S. Allemann den Empfang von 21 $ 14 cts bescheinigt und bemerkt dass er von seiner Schwägerin Margaretha Allemann genaue Rechnung, sowie sein ihm noch zukommendes Geld verlangt. Ich bitte dich das sobald als möglich zu besorgen und das Geld an mich zu senden. Hier zahlt man 10% Zins. So viel wird Margaretha nicht geben wollen. Von Allemann sind zwei Briefe aus Cal. da. Er ist gesund und soll fett sein, auch Bruder Hans so. Dieser hat einmal geschrieben. Das Goldmachen in Cal. geht geht nicht mehr so leicht wie vor 2 Jahren. Diejenigen welche damals mit 15 $ Taglohn nicht zufrieden, begnügen sich jtzt mit 4-5. In den Mines ist das Beste gegraben, sie kommen auch nicht höher. Aber es ist doch ein Verdienst 1000 $ jährlich, denn die Auslagen sind nicht viel höher als hier. -- Der distiller-Staub, zu deiner Zeit hier Br4auer und Martens sind diesen Sommer zurück. Str. haben bedeutend Geld gemacht. Mar. weniger. Ich glaube wenn die Staubs ihre Destillerie und andere Geschäfte verkaufen, können sie wieder hinziehen (n.Cal.) Trotz der gegenwärtig schlechten Zeiten nimmt Herman zu. Die Steinhügel sind in Rebland umgewandelt. Ich bekam 125 gall. 1850 140 gall. Die übringen Früchte sind sehr gut gerathen, aber in Europa hat man keinen Hunger, hier ist alles spottbillig. Wwizen 50, Gerste 40, Korn und Kartoffeln, Hafer 20, Roggen 30 - 35 cts. Der Wein wird nicht unter 1 - 1.25 $ verkauft. Letztes Jahr kaufte ich 80 Akre Land, 40 aus 2ter Hand für 450 $. -- 40 Akre habe ich in Cultur gesetzt und 2 2/3 A. Weinberg angelegt, vielleicht zuviel, die Hälfte topfeben. Ich schlachte gegenwärthig in Comp. mit Heinr. Gut, welcher letztes Jahr bei dir in Vaz war. Letzten Novb. kam er hieher und seither betreiben wir die Metzgerei in Herman. Wir Seite 27: haben ein kleine Wohnung und Schlachthaus in Zins genommen. Wir brauchen viel Fleisch und machen grosse aber schlechte Geschäfte Wöchentlich setzen wir 2000 Pfund Rindfleisch, 2-350 Pfund Schweinefl. nebst Schaf und Kalbfl. ab. Rind und Schaffl. zu 3 1/2 cts. Schwein und Kalbfl. 4-5 cts. Der Einkauf ist verschieden nie über 3 cts. Wenn man nach Gewicht kauft, wird haut und Talg nicht gerechnet und beim Betrug auch nicht. Wäre der Credit und Arbeitslohn nicht so gross, so könnte man was verdienen. Ich halte 2 Arbeiter mit 96 und 48 $ jahreslohn. Zu meinem Bedauern muss ich dir mitteilen, dass Michel Heid und Nic. Krättli vor 4 Wochen an hitzigen Fiebern gestorben sind. Die ganze Familie Heid war damals krank, doch jetzt in langamer Besserung. 14 Tage litt ich selbst am Fieber (zu sechst) gegenwärthig ist alles wieder auf bis Schwiegermutter und Knecht. Das Fieber herrschte überall während des Nachsommers. Die Maria Krättli hat sich mit dem jungen Oelschläger verheirathet, mein Vetter J. Sutter mit Wittwe Senn. Er ist mein nächster Nachbar und im Besitz einer grossen Farm und ziemlichem Viehstand, einem erwachsenen Sohn und 2 ordentlichen Mädchen. Er hat's gut getroffen. Du kannst es seinem Bruder Samuel sagen, er sei ein ganz anderer Kerl als er und wisse sich eher zu helfen. -- denn dieser mein Vetter reitet auf der Bürde und der andere lässt die Bürde auf sich reiten. Er hat's ja wie er will. Grass hat sich verheirathet, jetzt hat er einen 14 Tag alten Sohn. Ich abe einen vor 8 Tagen, ein strammer Kerl. Des Peters Deti ist bei mir, es besucht mit meinem Babali die Frauenthaler Schule. Wir bauten vor 2 Jahren ein Schulhaus, in welchem 9 Monate Schule gehalten wird, bon einem tüchtigen Lehrer. Unser Schulland haben wir vor einem Jahr verkauft, was 100 $ Zins bringt, 58 $ %* cts gibt und jährlich die Stadt, der Rest wird auf die Kinder vertheilt. --- Lieber alter Freund, bist du noch ledig und denkst nie wieder nach Amerika zu kommen? Lebe wohl, grüsse mir deine Geschwister, meine Verwandten am Berg, in Haldenstein. Schreibe mir bald. Ich muss aufhören, der Kopf ist wüst, ich bin wirklich noch recht schwach. Mein Knecht ist todtkrank. Niemand da helfen. Dein Joh. Sutter Zeige den Empfangsschein v. Lehrer Daniel, so ist er und die Panz gewiss wo das Geld ist. Brief No. 7 Seite 28: Hermann, 28. Mai 1850 Lieber Freund Georg, Wahrscheinl. wirst du den Brief, den S. Allemann durch Heinr. Gut gesandt hat, erhalten haben und daraus erfahren dass er und Bruder Hans in das Goldland Galif. verreist sind. Dort haben sich innert Jaresfrist hunderte von Menschen ein Vermögen von 100'000 $ und mehr erworben. S. Allemann ist in Comp. mit Marten und Schenker mit Pferdewagen, dein Bruder mit Michel Philipp und ein Zürcher Schop mit Ochsenwagen. S.A. hat mire gesetzliche Vollmacht gegeben, um ihm seine Geschäfte zu besorgen und ausstehendes Geld zu beziehen und Schulden zu bezahlen. Was er hier gekauft hat, kann er nicht so bald wieder verkaufen. Ich möchte Dich bitten, dass du mir sein Guthaben in Vaz so bald als möglich einziehst, wenn es nicht schon geschehen ist. Das Geld kannst Du durch Wechsel order hans Gut, wenn er in deine Nähe kommt zusenden. Dass Alemann vor allem über Geld und Liegen schaften genaue Abrechnung erhält ist selbstverständlich. Denn wie es mit der Theilung während seiner Abwesenheit zuging ist bekannt. Peter hat letzte Woche Brief und Wechsel erhalten und diesen sogleich nach Neujork zur Einlösung gesandt. Seine Tochter Menga hat vor 3 Wochen den linken Oberschenkel gebrochen Seine Familiewird sich bald vermehren. Ich habe nichtes dergleichen aufzuweisen. (S.13) Bald wird er selbst schreiben. Laut deinem Brief ist die L.Gr. viel schreibseliger, als im Weinbau. Denke dass ich und Peter eben so viel Wein ernten als L.Gr. letztes und nächstes Jahr machten. Der Weinbau nimmt ziemlich zu. Rumel hat für seine Musteranlagen den 1.ten Preis 100$ erhalten. Das ist für Herman viel werth. Die Steinhügel von Herman sind jetzt meist mit Reben bepflanzt. U. Grass, Mat. Just und ich Seite 29: haben dem J. Wehrli an der Ferka ein Kind genommen, welche er war beim Freidensrichter verklagt und nun wird Wehrli statt mit 150 % entschädigt, in einem halben Jahr verkauft. Unser Bekannte sind alle gesund und reden bei jeder Zusammenkunft von dir und halten es für unmöglich, dass du in Vaz bleibst. Ich habe 80 Akre anstossendes Land gekauft, 40 für 50, 40 für 450 $. Auf erstem ist nichts, auf dem andern wenig. Gegenwärthig ist hier alles theuer, besonders die Ochsen. Vor drei Jahren kostete das paar 30, jetzt 60 $. Ich habe 2 paar für 108 $ nach Calif. verkauft, den Stern für 90 - Erstere hatte ich ein Tag früher für 96 gekauft. Letztes Jahr (spät) kaufte ich Teis aus für 500 $, dann liess ich das Vieh samt Geräthschaften welche ich zur Farm bekam versteigern, wovon ich 220 $ auf ein Jahr Credig erlöst habe. Die Farm, zu welcher ich noch 40 A Kongressland nahm, verkaufte ich für 700 $ auf 5 Jahr Credit, zu 6%. Behalte dergleichen Geschäfte für dich, die Leute möchten sonst denken ich möchte noch einmal feich werden, was gewiss nicht der Fall ist. Sobald ich v. Californ. Berichte habe will ich sie dir mittheile Entsprich meiner Bitte baldmöglichst, schreibe bald und viel. Grüsse mir deine Geschwister, Frau, Kinder so du welche hast. Joh. Sutter. Leztes jahr bauten die Katholiken eine grosse, grosse Kirche in herman. Ich glaube sie wird bald für den Arbeitslohn verkauft werden müssen. Die Freimaurer werden auch bald ein Haus bauen, im die Loge einzurichten. Sie zählt jetzt 35 Mitglieder. Allemann und ich gehören auch dazu. Jetzt mache eine T....... order Lu........ aus mir. Behalte es aber für dich, damit ich nicht ganz verdammt werde. NACHTRAG Seite 30: Zusammenstellung der Familie Familie Peter Menga /Margar, Gg, Menga Elisabeth JohJac 1846 +64 +87 +94 +1930 +86 Roark Christ Victoria +22 Oehi: Joh Luzi Christina Kinder in Georg) Isabella Los Angeles Maria ) Kinder Walter Anna) Georg ist 1844 n. U.St. gereist mit Sam Allem. 48 zurück in Pokepsi als Gerber -Peter 1846 1845 nach Hermann -Hans 1846 184_ nach der Schweiz -Christ 1853 +77 Hans 1846 Mexico Feldzug Peter 1850 nach Calif. Goldfieber Georg v.G. 1844 In den Briefen aufgeführte Personen Seite 31: 1. Vetter Gg & Fam. Sam. Allemann S. Capell 2. Bisch. Henni, Mart. Krättli single, Lampert, Riederer Nic. Krättli, Grass, Lucas Pilat 3. Joh. Krättli, Sutter Jak, Grass, Joos Maria, Allemann D. Sutter Joh, Gesner Gg. Hug Dan. ssingle, M|ller, Spading, Spiess Gartmann Dr. Steiger, Zeller Kasper, Philipp Urs, Philipp Jac, Philipp Margr, Philipp Anna, Philipp Michel, Philipp Jakob J, Boesch, Bauer, Micheli J. Micheli- Dorothea-Gesner 4. Hug, Plaisch, Dolf, Wieland, Veraguth, Stocker 5. Danuser, Mathis, Krättli Silv, Krättli Christ. Krättli Gg. Grass A. 6. Veraguth 7. Heid Betti, Heid Daniel 8. Jehli, Nageli Conr. Grass Chr. 9. Heid Michel, Sutter Joh (Senn) Krättli Nic. Krättli Margr-Oelschläger, Gut Heinr, Sutter Sam. (Mastr.) 10. Just Math. Wehrli J. Schoch, Grass L. Jekli ---------- weiter folgen im gleichen Heft nochmals ein Register der Personennamen und 2 Register der amerik. Präsidenten seit Washington, Nr. 1 bis Roosevelt, Nr. 31 Kopie erstellt 20.2.1975 von Kaspar Joos-Wey Ulmgasse CH-7204 Untervaz GR