Artikel von Hans Schulthess ueber die Familie HUG von Zuerich: In Z"urcher Taschenbuch auf das Jahr 1982 - S. 26-29 Ueber die tatsaechliche Herkunft der noch bluehenden, alteingebuergerten Hugen-Sippe. Im *Anhang zum Buerger Etat der Stadt Zuerich, enthaltend historische Notizen ueber stadtzuercherische Geschlechter von Wilhelm Tobler, Verfasser des zuercherischen Wappenbuches* vom Jahre 1868 finden wir die Angabe: Fridli Hug aus der Rietmuele bei Dynhard, der am 14. Februar 1578 das alte Buergerrecht seines Geschlechtes um 6 fl. erneuerte, gilt fuer den Stammvater des Geschlechtes, das aus der Zunft zum Weggen in's Regiment kam. In der Ausgabe 1825 desselben Etats waren als Herkunftsorte ausserdem Faellanden (1557) und Betznau (1572) angegeben, jedoch im Handexemplar, welches in der Stadtbibliothek steht, mit Tinte gestrichen, wohl aus der Erkenntnis, dass jene Staemme inzwischen erloschen waren, und alle derzeitigen stadtzuercherischen Vertreter dieses Namens auf den erwaehnten Fridli zurueckzufuehren seien. Im Buergerbuch der Stadt Zuerich, welches die Einbuergerungen festhaelt, findet sich folgender Eintrag: Fridli Hug der Mueller aus der Rietmuelli ist inansehung dass etliche syns Gschlechts allhie Burgere gewesen, umb sechs guldin Rhynisch zu Burger angenommen; die hat er bezallt und den gewonlichen Burger Eydt geschworen, den 14den Februarii Anno 1578. (StAZ Db 1.2 p.126) Als Herkunftsort wird hier lediglich die Rietmueli angegeben, sodass mehrere Moeglichkeiten offen gelassen sind, da Muehlen dieses Namens u.a. auch in Waltalingen und Dietlikon standen. Dass es sich um jene bei Dinhard handle, bezweiflete bereits der verdienstvolle Laienhistoriker und Mitarbeiter am Historisch-Biographischen Lexikon der Schweiz, Johannes Frick, ohne jedoch einen genealogischen Beweis anzutreten. (StAZ Sammlung Frick W 8) Nachdem auch in Veroeffentlichungen neuester Zeit (Max Schreck in "Zuercher Woche") die Unklarheit ueber die Herkunft jenes Fridli weiter getragen wird, duerfte eine genealogische Abklaerung und deren Veroeffentlichung angebracht sein. Gluecklicherweise gehoeren die Kirchenbuecher von Dinhard (StAZ E III 27.1) zu den aeltesten noch erhaltenen, indem sie bereits 1529, also rund zehn Jahre nach der Reformation in Zuerich, beginnen. Bis zum Einbuergerungsjahr 1578 erscheinen in jener Rietmueli jedoch nur die Geschlechtsnamen Mueller, Rietmueller und Flachmueller, nirgends jedoch eine Spur von einem Hug, was auch fuer die gesamte Kirchgemeinde zutrifft. Es darf somit angenommen werden, dass jener Fridli nicht von Dinhard stammte. Dietlikon bildete bis 1596 Teil der Grosspfarrei Kloten, wurde hernach von Zuerich aus bedient,bis es 1683 selbstaendige Kirchengemeinde wurde. Auch die Buecher von Kloten setzten frueh ein (StAZ E III 63.1), und wir stossen bereits 1536 auf den Namen Hug, als Christen von Gerlisberg sein Toechterlein Elsi taufen laesst. Zwischen 1537 und 1543 erscheinen *Rietmueller* mehrmals als Taufzeugen, und zwar bei Taeuflingen von Familien, die in Dietlikon ansaessig waren. Im Eheregister, das 1558 beginnt, kommt zwar der Name verschiedentlich vor,doch handelt es sich augenfaellig um solche aus Bassersdorf, nicht jedoch um solche aus Dietlikon oder Rietmueli. Wo haben also jene Rietmueller geheiratet und ihre Kinder taufen lassen? Im ersten Bevoelkerungsverzeichnis von 1634 suchen wir sie umsonst in Dietlikon (StAZ E II 700.22), waehrend sie ab 1637 dort aufgefuehrt sind. Aus verschiedenen Hinweisen wissen wir aber, dass diese Muehle gelegentlich als *bei Wangen* bezeichnet wurde. Und tatsaechlich ist sie 1634 im Bevoelkerungsverzeichnis dieser Kirchgemeinde erwaehnt. (StAZ E II 700.118) Allerdings heisst der damalige Mueller Rathgeb, wie bereits ein Rathgeb in den Steuerbuechern des fuenfzehnten Jahrhunderts auf dieser Rietmueli erscheint. Das Taufbuch von Wangen (StAZ E III 135) beginnt 1549 und bereits in diesem Jahr stossen wir auf einen Heinrich Rietmueller, der sein Soehnlein auf denselben Namen taufen laesst. Am 2. Dezember 1554 laesst Hans Rietmueller sein Knaeblein auf den Namen Fridli taufen. Beim Eintrag seines naechsten Kindes wird er als Hans Hug in der Rietmueli bezeichnet, und 1557 nur noch Hans Hug. Somit darf mit grosser Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass der erwaehnte Taeufling mit dem vierundzwanzig Jahre spaeter eingebuergerten Mueller selben Namens identisch ist. Der frueheste Hinweis, dass die Hugen auf der Rietmueli bei Dietlikon sassen, stammt aus dem Jahre 1515, als Hans Hug, der Mueller in der Rietmueli zu Dietlikon einen Streit mit Heini Gering,dem Mueller zu Wangen, betreffend Kauf einer Muehle vor den Rat bringt (StAZ BV 3 pag. 196). Dass die Hugen um diese Zeit die Muehle von den Rathgeben uebernommen haben belegt ein anderes Dokument, als die Kinder des Jakob Rietmueller gegen den Untervogt Hans Rathgeb vor dem Vogteigericht zu Duebendorf klagen wegen Guetern, die ihr Grossvater dem Vater des Rathgeben uebergeben hatte. Dabei werden Hans Wyss und Hans Hug, beide von Bassersdorf,als Voegte und Anwaelte der Kinder genannt (StAZ A 114 22.4.1550) Auch in verschiedenen anderen Prozessen, welche die Rietmueller fuehrten, treten immer wieder Hans Hug, beide von Bassersdorf als Zeugen oder in anderen Funktionen auf der Seite der Rietmueller auf, sodass kaum mehr bezweifelt werden kann, dass diese zur Hugen-Sippe von Bassersdorf gehoeren. Diese Hugen waren ein ausgesprochenes Mueller-Geschlecht, welches waehrend Jahrhunderten auf zahlreichen Muehlen zwischen Limmat und Toess kuerzere oder laengere Zeit wirkten.Erstmals sind sie auf der Untermuehle zu Bassersdorf im Jahre 1389 bezeugt (StAZ H I 161), werden jedoch noch *Mueller* genannt, indem Name und Beruf eine Einheit bildeten. Den Geschlechtsnamen *Hug* duerften sie von Hug Mueller erhalten haben, der 1446 die Muehle vom Grossmuenster zu Lehen erhielt, und dessen Nachkommen seinen Vornamen als Familiennamen uebernahmen, da die starke Vermehrung der *Mueller* einer weiteren Unterscheidung rief. Nachdem gemaess Buergerbuch vor 1578 Hugen verschiedener Herkunft erwaehnt werden (jedoch nicht von Dinhard!) steht wohl ausser Zweifel, dass sich die Bezugnahme auf fruehere Einbuergerungen auf jenen aus Bassersdorf beziehen muss; Hug Hug, der Koeuffer von Bassersdorf ist um zechen guldin Rhynisch zum Buerger angenommen, die hat er bar bezalt und den gewonlichen Burger Eyd geschworen, am fuenfften tag Hornungs Anno 1569 (StAZ Do 1.2 p 123). Die allerletzten Zweifel beseitigt jedoch der Eintrag in den Rechnungen des Seckelamtes: Ingenommen von nuewen Burgern ... Fridli Hug der Mueller von Bassersdorf erneuert syn Burgraecht mit ...VI gl.Rh. (StAZ F III 32 p. 32). Wie mag es zu diesem Irrtum gekommen sein? Man kann sich vorstellen, dass es fuer den Schreiber des Buergerbuchs um 1578 keinen Zweifel gab, welche Rietmueli gemeint sei, indem er vielleicht nur jene bei Dietlikon kannte, oder aber den Namen Hug mit dieser ohne weiteres in Verbindung brachte. Ein spaeterer Bearbeitet mochte aus der Gegend von Winterthur stammen, und fuer ihn war die Beziehung Rietmueli-Dinhard gelaeufig. Er empfand die Unvollstaendigkeit und meinte diese zu beheben, indem er die, wie wir gesehen haben, unrichtige Ergaenzung *bei Dinhard* anbrachte, was in der Folge einer dem anderen abschrieb. Weiteres Material ueber die HUG Familien in der Schweiz: *M"uller S. F.*: Hug und Co. Aus 150 Jahren Hug & Co. Musikalien und Instrumente (betrifft die Familie HUG von Z"urich). Z"urich 1957 - 128 p. *Becker Hugo*: 1807-1956. 150 Jahre Hug & Co., Musikalien - Instrumente -Musikverlag. IN: Der Dreiklang, Ordnungsbulletin f"ur das Hugsche Personal... Jubil"aumsausgabe. Z"urich 1957 - Nr. 10. *Hug Bernal D*: One hundred years of Hugs; the story of the Hug family in Switzerland and America. Elgin OR. 1960 - 109 p. (Libr. Congress Wash.) *Hug Eugen*: Die Familie Hug von Affeltrangen, M"arwil, Buch und Zezikon. teilweise auch Brunau. Z"urich 1983 - 50 S., Stammtafel Schweiz.Landesbibl. Bern) *Hug Werner, Schulthess Hans*: Stammtafeln Hug von Opfikon. Muttenz 1987- 8 Bl., 4 Stammtafeln (Staatsarchiv Kt. Z"urich) *Stenger Antoine* (1987) Verrieres et verreries d'Alsace: La region de la Petite-Pierre. IN: Pays d'Alsace 1987, No. 1 - p. 21-23 (darin die Familen Engel und Hug aus dem Kanton Solothurn) *Kleindienst Jean-Louis* (1992) Les familles Huck (=Hug originaire de Ottenbach, en Alsace) Zellenberg 33 p. genealogies. ------------------------------------------ Brigitte Gastel Lloyd brigitte@qrz.com "Komm ich heim, wenn ich heimkomme?" ------------------------------------------