1697 August 20. Evang. Archiv Untervaz, Urkunde Nr. 9

Testament und letzter Willen der Frau Ammen Margreth Flippin.

Jm Nammen der h.h. unzertrennten Dreyeinigkeit Gottes des Vater, Sohns, und h. Geistes, Amen !

Jch Margreth Göpfertin geborne Philippin, erwegend die gwüssheit meines Todts, Ungwüssheit desselbigen Stündleins, auch die mir vielfaltig von dem gütigen Gott erwiesne Wolthaten, habe mir laut Prophetischer Erinnerung, mein Haus zu bestellen, und meinen letzten willen bey guter Vernunft, und gsundem Leib, zu bezeügen, in gegenwarth Endts underschriebner, darzu erbättner Ehren Persohnen, in so kräftiger Form als soliches sein kan, und geschehen mag, fürgenommen absetzen, und verschreiben zu lassen, auch ins werkh gerichtet, wie hier zu sehen.

Erstlichen, und voraus Befehle, und vermache mein Leib, und Seel, Gott meinem Himmlischen, und Trewen Schöpfer, und Vater; Jesu Christo meinem wärthesten Erlöser, dem H. Geist, meinem Heiligmacher, und Pfand meiner Widergeburt, und Gottes Kindschaft, den grossen Drey Einigen Gott hertzinniglich ersuchend, dass Er mir weiters beystehen wolle, und seiner Zeit ein selig vernünftiges Simeons Stündlein verleihen, Amen.

Demnach testamentiere, und vermache, meine schuldigste Dankbarkeit gegen Gott zu erzeigen, Einer Evangelischen Kirchen in UnderVatz fl. 100, ich sage gulden Einhundert, die alsobald nach meinem Absterben von dem meinigen Hinderlassnen Gut, forderst, und voran ohne einiches Beding, und Vorbehalt, sollen genommen werden, und dienen dem aldorten in der Kirchen, und Schul, sich befindenden Lehrern, und Seelsorgern. Und wann diese Reformierte, Evangelische Kirchhöre (welches Gott in gnaden abwenden, und verhüten, hingegen Selbig vermehren wolle) solte des h. Evangeliums beraubet, und dihs heilsame Liecht der wahren seligmachenden Evangelisch-reformierten Religion dihs Orts gäntzlich ausgelöscht werden, Solle diehs Testament, und Aufgemacht zu Handen nehmen ein Wolweiser Magistrat, und Decan, oder Pfarr Herren Lobl. Statt Chur, und selbiges anwenden zum Dienst, und Erbawung der Kirchen Gottes. geben und Beschehen in UnderVatz den 2o. Augusti Ao. 1697.

Jch Ludovicus Frey, Diener am h. Evangelio daselbsten, habe dihs Testament auf der Fr. Testatrice fründl. anersuchen geschrieben, es ihro vorgelesen, und war wol zufrieden.

Ao. 1701 den 18. d. Aprel hat ein Ehrsame Erbschaft obiger Fr. Testatorinse Testament namblich fl. 100 der Kirchen gutgemacht und eingehendiget worden. Der Allerhöchste seie ihr in ewiger Seeligkeit reicher Belohner. Petrus Wittwanus V.D.M.